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Energie

Gestern den ganzen Tag bei einem Kunden verbracht und Menschen begeistert und Mut gemacht. Ich bin sehr dankbar dafür, dass mir das oft gelingt. Es kostet mich viel Energie, das zu tun. Ich merke das abends und daran, dass ich es am nächsten M0rgen nicht schaffe früh aufzustehen. Fast wie eine Art Kater … Ich schenke Energie, die sich dann erst wieder bei mir auffüllen muss.

Es ist ein Geschenk zu spüren, wie Verbindung entsteht und Menschen sich zutrauen, die ganzen „sollte“, „müsste“, „bringt doch nix“ und „was kann ich schon bewirken“ hinter sich zu lassen. Dann fangen sie an zu leuchten, Spaß zu haben und an das zu glauben, was in ihnen steckt. Bin sehr dankbar, wenn diese magischen Momente geschehen. Und die Unternehmen sollten es auch sein.

Veto

Immer öfter frage ich in Teams, wie wir Entscheidungen treffen sollen. Konsens ist oft langsam und erschwert Eigenverantwortung  und -initiative. Ich habe sehr gute Erfahrungen mit dieser Haltung gemacht: Jemand macht einen konkreten Vorschlag. Gibt es in der Runde kein Veto a la “nur über meine Leiche”, welches auch begründet werden muss, wird der Vorschlag umgesetzt. Wenn das Veto persönlich begründet wird, hält der gesamte Prozess an und wird neu überdacht. So verhindert  Passivität nicht das Machen und Lernen.

Einfach komplex

Ich liebe Software, die mir hilft, produktiv und entspannt zu arbeiten. Die Möglichkeiten sind dabei endlos: Viele Programme und Apps bieten immer mehr Optionen an, um sich an jeden individuellen User-Bedarf anzupassen. Das hat dafür oft Unübersichtlichkeit und Trägheit zur Folge. Diesen Post schreibe ich zum Beispiel (noch) in Evernote. Ein Programm, das mir bei der Recherche und dem Sammeln von allen möglichen Infos sehr hilft.

Neulich bin ich durch die wunderbare Serie „This is how I work“ auf workflowy gestossen. Ein Programm, das auf den ersten Blick nichts Neues bietet und viel zu einfach wirkt. Und genau das ist die unglaubliche Stärke von workflowy: Es nimmt nur Text in Form von Listen auf. Und bietet dafür eine intuitive Ordnung, Bedienung und Sortierung an.

Für mich ist das eine gelungene Kombination aus Word, Evernote, Omnifocus und Mindmanager. Das soll hier kein Review über workflowy werden – ich nenne euch nur ein wunderbares Beispiel dafür, welche Wirkung etwas hat, wenn eine Sache wirklich gut und benutzerfreundlich ist. Je mehr ich mich damit beschäftige, desto mehr zieht mich das an.

Genau diese Qualität ist auch relevant für Unternehmen. Wie schaffe ich es, einfache Angebote zu entwickeln? Wie widerstehe ich der Versuchung, alles anzubieten, was möglich zu sein scheint? Wie kann ich Komplexität nicht reduzieren, sondern sie für meine Kunden nutzbar und bedienbar machen?

Attitude eats method for breakfast

Gestern sitze ich mit einem neuen guten Freund, Ende zwanzig, zusammen. Er möchte gerne etwas unternehmen, etwas bewegen, etwas Sinnvolles machen. Gesellschaftlichen Wandel bewirken, Menschen inspirieren und sie dafür begeistern selbst zu wirken. Seine ersten Gedanken dazu: ein Logo, eine Website. An der Uni einen ersten Testballon starten. Keine Inhalte, sondern nur Form. Und schon waren Grenzzäune im Kopf gezogen, die den freien Blick versperren.

Wir hatten vorher lange über Veränderung und Entwicklung gesprochen – frei und ohne Grenzen. Haben uns getraut, Dinge in Frage zu stellen, die „man“ so macht. Als es um sein eigenes Ding ging, war die Freiheit im Kopf weg. Es regierten die Stimmen der Vorsicht, des fehlenden Zutrauens in sich und das Leben. Ich fand es spannend zu beobachten, wie seine Perspektiven weniger wurden und dafür seine Unsicherheit zunahm.

Ich fragte ihn: “Wie sieht ein ideales Seminar für dich aus? Nicht nur so ungefähr, sondern ganz genau. Was geschieht in Minute 1, in Minute 2? Oder gibt es gar keinen Ablauf? Ist ein Seminar überhaupt die richtige Form? Kannst du damit überhaupt etwas bewirken? Und wenn ja, was? Wie sehe das Angebot aus, wenn du keine Grenzen im Kopf zulässt? Die Stimmen ignorierst, die sagen ‘Das kann ich noch nicht’, ‘Mir fehlen die finanziellen Mittel’ oder ‘Das will doch keiner wissen’?”

Und dann ging es los: Wir öffneten uns und fingen an, die verrücktesten Ideen zu entwickeln. Eine, zwei, drei – wir hätten hundert denken können. Und er fing an zu leuchten, sich aufzurichten, sich zu begeistern, zu träumen. Das hat mich dankbar und glücklich gemacht.

Am Ende sagte er: “Ich werde nachdenken und gleichzeitig an Logo und Website basteln. Das gibt mir Sicherheit. Nur bewusster.”

Was ist Kultur?

Der Philosoph Ralf Konersmann sagt in der aktuellen brand eins: Kultur lebt in dem, was nicht erklärt werden muss. Sie ist das Normale.

Klingt gut für mich.

Ruhig, Brauner

Mir liegt die Bildung und Entwicklung unserer Kinder (speziell meiner) sehr am Herzen. Unsere Gesellschaft braucht Menschen, die verantwortungsvoll mit sich und unserer Welt umgehen. Dem deutschen Schulsystem traue ich allerdings aktuell nicht zu, dazu einen relevanten Beitrag zu leisten. Ich gehe hier nicht darauf ein, was genau mich daran stört und wie ich mir Bildung und Entwicklung von Kindern vorstelle. Vielmehr geht es mir heute darum, wie schwer es ist, Veränderungen zu bewirken.

Mein Sohn ist sechs Jahre alt und wird dieses Jahr eingeschult. Im Vorfeld haben meine Frau und ich uns sehr viele Gedanken gemacht, auf welche Schule wir ihn schicken wollen. 300 Meter von unserem Haus entfernt ist eine staatliche Grundschule – mit gutem Ruf und klassischem Aufbau. Wir haben uns auch Schulen mit alternativen Konzepten angeschaut. Um es vorweg zu nehmen: Wir haben uns für die Schule bei uns im Viertel entschieden. Warum?

  • Wir wissen nicht, ob die anderen Schulen wirklich besser für unseren Sohn geeignet sind.
  • Ein Konzept allein reicht nicht  – es kommt immer auf die Menschen an. In diesem Fall auf die Lehrerinnen und Lehrer. Und diese lerne ich auch auf alternativen Schulen nicht vor der Anmeldung kennen.
  • Die Nähe zur Schule macht unseren Alltag deutlich leichter. Alle alternativen Schulen waren weiter weg.
  • Mit der Schule um die Ecke sind auch seine Freunde um die Ecke. Die kann er einfach treffen, ohne weite Wege für ihn oder für uns in Kauf nehmen zu müssen.
  • Wir kümmern uns selbst sehr um die Bildung unserer Kinder und werden das nicht allein einer Schule überlassen. Deshalb sage ich mir: Das klassische Schulsystem kann bei meinem Sohn nicht wirklich Schaden anrichten.

Ich wünsche mir wirklich sehr eine andere Art von Förderung und Bildung für meinen Sohn. Trotzdem habe ich mich für die klassische Schule um die Ecke entschieden. Veränderung geht eben nur in kleinen Schritten. Und ich darf praktikable und etablierte Strukturen nicht überfordern.

Ich kann die gewünschte Veränderung aber bei mir selbst beginnen lassen und dadurch meinem Sohn das vorleben, was mir wichtig ist. So findet dann eben doch Veränderung statt – langsam und in kleinen Schritten.

Gilt gleiches auch für Unternehmen?

Bauchentscheidung

Heute hatte ich einen Workshop bei einem Kunden. Die Teilnehmer waren mit ihren Ergebnissen zufrieden. So weit, so gut.

Mein Bauch zuckte trotzdem und schickte mir den Gedanken, dass ich heute in Summe mein Honorar noch nicht wert war. Also bin ich meinem Impuls gefolgt und habe ihnen noch einen halben Tag ohne Berechnung angeboten. Damit hatten sie nicht gerechnet und nahmen es gerne an. Ich fühlte mich danach leicht und entspannt. Mein Bauch auch. 😉

Vielleicht sollte ich das nach jedem Workshop machen? Mich fragen, ob ich an diesem Tag mein Honorar wert war? Wenn ja, dankbar sein. Falls nein, es mit dem Kunden besprechen und einen Weg finden, der für mich und den Kunden passend ist. In diesem Fall war es halt einen halben Tag zu verlängern. Danke, Bauch.

Macht nix?

Ich schreibe diesen Post, da es mich persönlich traurig und wütend macht, wenn ich erlebe, dass Menschen mit Macht und Einfluss andere Menschen respektlos behandeln. Egal, ob es sich um Mitarbeiter, Partner oder, ganz besonders, die “Klofrau” oder den Kellner handelt. Obwohl ich selbst nur begrenzt Macht und Einfluss habe, kann ich nachvollziehen, dass Erfolg und viel Bestätigung dazu führen können, sich für unfehlbar und etwas „Besseres“ zu halten. Ich weiß ehrlicherweise auch nicht, ob ich vor einer solchen Entwicklung gefeit wäre.

Jedenfalls erlebe ich, dass sich viele „Mächtige“ für etwas Besseres halten. Sie glauben zu wissen, was richtig und falsch ist (extra gefährlich) und werden süchtig nach Macht. Die Auswirkungen sind gravierend.

  • Ihre Unternehmen und/oder Abteilungen werden langsam und starr. Macht konzentriert sich und bei Entscheidungen entsteht das “Flaschenhals-Prinzip”.
  • Ihre Mitarbeiter sind demotiviert. Die guten Mitarbeiter kündigen schnell und es bleiben die, die es dem Chef recht machen und ihre Ruhe haben wollen.
  • Vetternwirtschaft macht sich breit.
  • Entscheidungen werden nicht ausreichend aus verschiedenen Perspektiven beraten. Und nachher nicht reflektiert.

So etwas ist in unser heutigen (Wirtschafts)Welt tödlich. Unternehmen brauchen schnelle und flexible Gestaltungs- und Entscheidungsprozesse. Und sie brauchen Mitarbeiter, die eigenständig und kreativ ihr gesamtes Potential einbringen. Das setzt voraus, dass sie keine Angst vor Sanktionen haben, wenn ihre Meinung von der des Vorgesetzten abweicht.

Bei mächtigen Menschen Verhaltensweisen zu ändern ist sehr, sehr schwer. Wie sollte es auch anders sein – sie halten sich ja oft für unfehlbar. Manchmal gelingt es externen Beratern und Coaches, wirksame Impulse zu setzen. Unternehmen können sich aber organisatorische Strukturen und Regeln zulegen, die Machtkonzentration vermeiden und Entscheidungsfindungen demokratisieren. Was ich damit genau meine, wird mal Inhalt für einen eigenen Post werden.

Aber es gehören ja immer zwei zu einem Ungleichgewicht der Macht: Einer, der Macht missbraucht und einer, der das zulässt. Also gilt mein wichtigster Appell allen Mitarbeiter/innen: Habt Respekt vor Chefs und Menschen mit Einfluss. Und bleibt gleichzeitig kritisch. Fordert Verantwortung ein, hinterfragt Entscheidungen, bietet Rückmeldung und Reflexion an. Und der wichtigste Punkt: Übernehmt selbst Verantwortung. Seth Godin nennt das so wunderbar „lead up“ – von unten führen.

Denn es gibt immer zwei Ebenen: Eine vertragliche und eine menschliche. Auf der vertraglichen Ebene tauscht ihr in den meisten Fällen Zeit, Loyalität und Know-how gegen Geld. Und in den vorhandenen Hierarchien ist völlig ok, wenn euch ein Vorgesetzter fachliche Anweisungen gibt – also Macht ausübt. Auf der zwischenmenschlichen Ebene habt ihr aber keinen Vertrag unterschrieben. Da ist keiner besser als der andere. Ein freundlicher und respektvoller Umgang ist also ein Grundrecht und steht so sogar im Paragraph 1 unseres Grundgesetzes.

So könnt ihr drei gute Dinge bewirken:

  1. Ihr wahrt eure Selbstachtung und Integrität – die wichtigste Grundlage für eure Entwicklung. Und sei es, dass ihr durchaus die Firma wechselt, bis ihr den für euch passenden Rahmen gefunden oder ein eigenes Unternehmen gegründet habt.
  2. Ihr tut eurem Unternehmen einen Gefallen. Denn jeder Unternehmer wünscht sich genau solche Mitarbeiter – auch wenn es sich ganz oft nicht so anfühlt.
  3. Ihr spart eurem Unternehmen die Kosten für Berater und Coaches. 😉

Daher hier mein Angebot an alle Mitarbeiter/innen, die sich angesprochen fühlen und in einer Sackgasse stecken: Ich schenke euch gerne eine Stunde Gespräch und “Mut machen” mit mir. Bucht dafür einfach über meinen Online-Kalender einen Skype-Termin. Das Angebot gilt auch für Chefs, die sich mit all ihrer Macht allein gelassen und überfordert fühlen.

Möge die Macht mit euch sein!

Moment(um)

Vor einigen Tagen habe ich zum ersten mal einen Workshop moderiert, ohne den Kunden vorher schon mal beraten zu haben. Ich bin kein klassischer Moderator und bislang haben sich Moderationen immer aus Beratungsprojekten – quasi als „Abfallprodukt“ – ergeben. Als die Anfrage kam, habe ich angenommen, da der Kunde aus einem für mich neuen und spannenden Bereich kommt – dem wissenschaftlichen. Und er sitzt in Bremen. Und das passt wunderbar in mein Bestreben 2015, immer mehr in Bremen anzukommen.

So kamen einige neue Dinge zusammen: Unbekannte Menschen, eine unbekannte „Branche“, Moderation in Englisch, sehr wenig Vorbereitungszeit und ein ambitioniertes Ziel. Ich war unsicher, wie sehr ich unter solchen Rahmenbedingungen meinem üblichen Stil trauen durfte.

Der zeichnet sich ja durch Intuition, Spontanität und Leidenschaft aus. Bisher allerdings immer in Verbindung mit einem soliden Fundament aus vielen Erfahrungen mit den teilnehmenden Menschen. Also überlegte ich, ob ich den Ablauf ganz fein strukturiere und auf Methoden setze, um Sicherheit zu gewinnen. Irgendwie hat mein Bauch die ganze Zeit „nö“ gesagt. Und da ich mich in der letzten Zeit viel mit den Themen Entscheiden und Intuition beschäftigt habe, bin ich ohne festen Ablauf und Methode in den Workshop gegangen.

Am Ende des ersten Tages steckte die Gruppe prompt fest. Alle blieben ihren Denkrillen treu, nichts Neues entstand und Frust breitete sich aus. Bei der Feedbackrunde platzte dann meine Haltung aus mir raus. Ein emotionaler persönlicher Weckruf war die Folge. Danach war ich mir nicht sicher, ob ich den Bogen nicht überspannt hatte. Die Rückmeldungen zeigten mir genau das Gegenteil. Die Teilnehmer waren wach und im Wortsinn „verrückt” – und schätzten den Impuls.

Meine Erkenntnis: Leidenschaft und Haltung sind immer wertvoll – gutes Timing und richtige Dosierung vorausgesetzt.

Am zweiten Tag haben wir dann viele neue und visionären Ideen entwickelt. Und steckten am Ende wieder fest. Zwei Stunden vor Schluss hatten wir zwar eine tolle Sammlung an Ideen, aber kein Kondensat und keinen Plan, wie jetzt die Top 5 Ideen gefunden werden sollen. Für eine Methode war keine Zeit mehr und die Interessen der Teilnehmer waren sehr unterschiedlich.

Jetzt kam Führung ins Spiel. In einer fünfzehn minütigen Pause besprach ich mich mit den Führungskräften. Dann traf die Chefin spontan und in kurzer Zeit eine Entscheidung, legte die Auswahl der Top-Themen fest und dazu noch den Prozess für danach. Als sie den Teilnehmern ihre Entscheidung mitteilte, waren allen dankbar und froh, dass sie die Führung übernommen hatte. Keiner beschwerte sich über mangelnde demokratische Beteiligung.

Diesmal gleich zwei Erkenntnisse:

  1. Beteiligung ist wichtig. Und Führung auch. Vorausgesetzt, sie handelt wertschätzend und im Sinne aller.
  2. Empathie, Flexibilität, ehrlicher Austausch, Haltung und ein bisschen Druck können bei Gemeinschaftsprozessen sehr hilfreich sein.

Denn am Ende waren alle von der Art und Weise, dem Ergebnis und dem Prozess begeistert. Es war etwas Gemeinsames, vorher nicht geplantes, Authentisches und Neues entstanden. Ein dickes Dankeschön an meinen Bauch und an den Kunden, der sich – zugegeben am Anfang aus der Not geboren – auf diesen offenen und gefühlt unsicheren Weg eingelassen hat.

Auf eine Schule mit diesen Fächern wäre ich gerne gegangen.

Wie würden sich diese jungen Menschen entwickeln? Was würden sie anders oder gleich machen? Die Reihenfolge dieser Liste stellt keine Wertung dar und bittet darum, ergänzt und besprochen zu werden.

  • Gewaltfreie Kommunikation
  • Philosophie
  • Programmieren
  • Meditation
  • Sport
  • Literatur
  • Projekte/Fragen/Themen nach Interessen (da kommt dann Spezialwissen nach Bedarf zum Einsatz. Zum Beispiel: Wie funktioniert ein Flugzeug? Die Theorie wird gemeinsam erarbeitet und dann wird eines gebaut)
  • Selber Jüngere unterrichten
  • Projekte mit alten Menschen
  • Geschichte und Reisen
  • Ernährung
  • Ethik
  • Sprachen
  • Basics (Mathe, Lesen&Schreiben)
  • Selbstentwicklung/ Eigenverantwortung
  • Musik
  • Theater
  • Kunst

Wachsen vs. Entwickeln

Marktwirtschaft und Wettbewerb erzeugen Innovationen – viele gute und auch eine Menge schlechte. Immer mehr “wettbewerben” sich Unternehmen zu Grunde. Immer neue Ideen und Marketing-Produkte werden erfunden, um vermeintliche Bedürfnisse der Kunden zu befriedigen. Und dabei natürlich immer billiger werden. Auf diese Weise geraten Unternehmen oft in eine unreflektierte Spirale des Höher, Weiter, Schneller, Effizienter.

Dabei wird oft Wachstum mit Entwicklung verwechselt. Denn Wachsen um jeden Preis hat zur Folge, dass Unternehmenswerte, die mal für Erfolg gesorgt haben, oft verloren gehen. Und die einseitige Ausrichtung auf Gewinn hat automatisch eine Vernachlässigung anderer Faktoren zur Folge.

Wenn statt Wachstum Entwicklung stattfindet, werden auf einmal andere Perspektiven und Optionen sichtbar. Und dann kann wieder der Ausrichtungspunkt – der Polarstern des Unternehmens – sichtbar werden: der wirkliche Nutzen des Kunden. Wenn Unternehmen da genau hinhören, dann können wundersame Dinge entstehen.

Hier zwei Branchen, bei denen eindimensionales Wachstum gerade zum Problem wird: Autos und Banken. Bei Banken hat die Maximierung ja schon zu existentiellen Problemen geführt. Bei Autos sind wir kurz davor.

Was ist den der zentrale Nutzen dieser Industrien?

Automobil: Mobilität, Unabhängigkeit, Verbindung.

Bank: Entwicklung, (Selbst)Verwirklichung, Freiheit.

Was passiert, wenn wir die Zukunftsgedanken mal daran ausrichten?

(Ent)Führung unserer Jugend

In diesem Jahr war ich zum dritten Mal am World Business Dialogue der Kölner Wirtschaftsstudenten beteiligt. Jedesmal bin ich berührt und bewegt. Die Zusammenarbeit mit Studenten aus aller Herren Länder schenkt mir große Befriedigung und Freude. Denn es ist wunderbar zu beobachten, wie engagiert, intensiv und anspruchsvoll sie gestalten – sobald die Fesseln des „so macht man das“ und des „so geht das doch nicht“ gesprengt sind. Ich bemühe mich mit großer Leidenschaft, diese Fesseln und Knoten zu lösen.

Ein wichtiges Thema bei der Arbeit mit den Studenten war Führung. Wie viel Führung brauchen sie und wie viel wünschen sie sich? Wer von ihnen will wirklich Führung übernehmen?

Meine Erkenntnis: Sie wünschen sich Führung – mehr denn je. Führung, die Orientierung und Impulse gibt. Die auf Augenhöhe und mit Wertschätzung stattfindet. Führung, die ehrliche Rückmeldung gibt. Die ernst nimmt und begeistert. Die Potentiale durch Empathie erkennt und fördert. Die Raum für Entwicklung und Verantwortung schenkt. “Schwer zu finden sie ist” würde Meister Yoda sagen.

Die meisten Studenten sind schon in jungen Jahren fachlich hoch qualifiziert. Ich habe lange Vitas mit vielen Bachelors, Masters, Trainees, Projekten und Seminaren gelesen. Gleichzeitig scheinen sie in ihren Köpfen nur einen Weg zum Glück zu kennen: Anpassung, Geld, kein Risiko, keine Fehler. Ich bin immer wieder erschrocken, wie es Eltern, Schule und Uni geschafft haben, diesen jungen Menschen die Freiheit im Kopf und im Herzen so sehr auszutreiben.

Es fehlt dringend an einer Haltungsbildung. An Mentoren, Räumen, Impulsen und Gelegenheiten, die den jungen Menschen die unzähligen und unterschiedlichen Wege zum Glück zeigen und anbieten. Die dazu animieren, so lange „Warum“ zu fragen, bis sie wirklich verstanden haben. Damit sie niemanden mehr blind folgen.

Nicht jeder wird und möchte selbst Führung übernehmen. Es ist aber wichtig, dass sich die jungen Menschen bewusst und eigenverantwortlich für ihren Lebensweg entscheiden. Ganz gleich, wie er aussieht.

Was Vario4 mich lehrt.

Gestern habe ich ein weitere Mal von einem Besucher meiner neuen Website gehört, dass er sich besonders intensiv mit Vario4 auseinandergesetzt hat und dieses Projekt sehr spannend fand. Lustig, denn ich hatte Vario4 eigentlich nur als „Randnotiz“ in die Projektliste aufgenommen.

Warum bleibt dieses unscheinbar platzierte Projekt hängen  – nicht aber im gleichen Maße meine Texte zu Verantwortung, Beteiligung und Transparenz?

Tja, es ist halt konkret und anfassbar. Und damit vorstellbar. Eine Eigenschaft, um die ich mich bei meinen sonstigen Projekten ebenfalls bemühe und doch bewege ich mich im Komplexen, Zwischenmenschlichen und auch Theoretischen.

Also ist die besondere Wahrnehmung von Vario4 einerseits schön, da es meine Haltung verstärkt, immer möglichst konkret zu sein. Andererseits nehme ich diese Tatsache mit einem halben weinenden Auge wahr. 😉

Noch kurz zu Vario 4: Das Projekt ruht, da wir es bisher nicht erfolgreich vermarkten konnten. Die Zielgruppe ist klein und der Preis durch die Einzelanfertigung eine Investition. Jetzt animieren mich die Aufmerksamkeit und die positiven Aussagen zu Vario4 dazu, über einen neuen Anlauf für den Verkauf nachzudenken.

Crowdfunding wäre eine passende Mechanik dafür. Was meint ihr? Was ist zu beachten? Hat jemand Lust und Energie, sich zu beteiligen?

Mach(t)

Die Kraft und Macht des “Machens” ist gewaltig und wird gewaltig unterschätzt.

Oft denke ich: „Das wäre doch cool!“, „Wenn das jetzt so wäre…” oder  „Was wäre wenn?”. Und fast genauso oft ärgere ich mich, dass ich nichts dafür oder dagegen getan habe. Die T0-Do- und Wunschlisten sind lang bei uns allen. Nur Machen scheint oft so schwierig. Womit denn anfangen? Muss das heute sein? Können das nicht andere machen? Was passiert, wenn es nicht klappt wie gewünscht? Was werden die anderen dann denken? Und so verharren wir, überwältigt von der Menge und unserer Bequemlichkeit, im Nichtstun. Leider sind nur die wenigsten Menschen cool damit. Bei vielen ist das Ergebnis eher Ärger, Frust und Stillstand.

Was tun, um der Falle zu entkommen? Weiterlesen

Entscheidungen

Entscheidungen treffen wir täglich so einige. Manche bewusst und die allermeisten so nebenbei. Wichtig zu verstehen ist, dass es zum Zeitpunkt der Entscheidung kein richtig oder falsch gibt. Auch im Nachhinein sind wir nicht immer schlauer – wer weiß schon, wie es gelaufen wäre, hätten wir uns anders entschieden. Aber jede Entscheidung hat Konsequenzen – dessen sollten wir uns alle bewusst sein.

Manche Konsequenzen sind nur gering – etwa die Entscheidung, ob ich zum Frühstück ein Brot oder ein Müsli esse. Andere haben dagegen gewaltige Auswirkungen – zum Beispiel ein Kind in die Welt zu setzen. Solche Entscheidungen sind wie Kabelbinder – einmal verhakt, gibt es kein Zurück mehr. Und wenn wir die Bindung wieder aufgeben wollen, hat das unweigerlich Zerstörung und Leid zur Folge.

Wonach können wir uns richten, wenn wir einfach nicht wissen, was richtig oder falsch ist? Weiterlesen

Warum handeln Menschen oft so wenig menschlich?

Oft frage ich mich, warum so viele Menschen ihren Gewinn vor Mensch und Natur stellen. Ich finde die Meinung meines buddhistischen Coachs dazu spannend. Hier seine Aussagen in meiner eigenen, vereinfachten und bestimmt nicht vollständigen Form:

Menschen sind von Grund auf weder böse noch gut. Jeder ist in der Lage Mitgefühl zu empfinden. Um glücklich zu sein, brauchen Menschen Gemeinschaft, Anerkennung und Liebe. Bei mir ist das auf jeden Fall so. Wie der Weg zum eigenen Glück aussieht, hängt jedoch davon ab, ob wir das wissen und auch glauben. Denn wird uns vorgelebt, dass Egoismus, Lüge, Gewalt und Übervorteilung die Schlüssel zum Glück sind, werden wir sie nutzen – bis hin zu gar unglaublichen Taten. Wie also kann die Erkenntnis entstehen, dass dieser Weg nicht zum Glück führt? Weiterlesen