(Ent)Führung unserer Jugend

In diesem Jahr war ich zum dritten Mal am World Business Dialogue der Kölner Wirtschaftsstudenten beteiligt. Jedesmal bin ich berührt und bewegt. Die Zusammenarbeit mit Studenten aus aller Herren Länder schenkt mir große Befriedigung und Freude. Denn es ist wunderbar zu beobachten, wie engagiert, intensiv und anspruchsvoll sie gestalten – sobald die Fesseln des „so macht man das“ und des „so geht das doch nicht“ gesprengt sind. Ich bemühe mich mit großer Leidenschaft, diese Fesseln und Knoten zu lösen.

Ein wichtiges Thema bei der Arbeit mit den Studenten war Führung. Wie viel Führung brauchen sie und wie viel wünschen sie sich? Wer von ihnen will wirklich Führung übernehmen?

Meine Erkenntnis: Sie wünschen sich Führung – mehr denn je. Führung, die Orientierung und Impulse gibt. Die auf Augenhöhe und mit Wertschätzung stattfindet. Führung, die ehrliche Rückmeldung gibt. Die ernst nimmt und begeistert. Die Potentiale durch Empathie erkennt und fördert. Die Raum für Entwicklung und Verantwortung schenkt. “Schwer zu finden sie ist” würde Meister Yoda sagen.

Die meisten Studenten sind schon in jungen Jahren fachlich hoch qualifiziert. Ich habe lange Vitas mit vielen Bachelors, Masters, Trainees, Projekten und Seminaren gelesen. Gleichzeitig scheinen sie in ihren Köpfen nur einen Weg zum Glück zu kennen: Anpassung, Geld, kein Risiko, keine Fehler. Ich bin immer wieder erschrocken, wie es Eltern, Schule und Uni geschafft haben, diesen jungen Menschen die Freiheit im Kopf und im Herzen so sehr auszutreiben.

Es fehlt dringend an einer Haltungsbildung. An Mentoren, Räumen, Impulsen und Gelegenheiten, die den jungen Menschen die unzähligen und unterschiedlichen Wege zum Glück zeigen und anbieten. Die dazu animieren, so lange „Warum“ zu fragen, bis sie wirklich verstanden haben. Damit sie niemanden mehr blind folgen.

Nicht jeder wird und möchte selbst Führung übernehmen. Es ist aber wichtig, dass sich die jungen Menschen bewusst und eigenverantwortlich für ihren Lebensweg entscheiden. Ganz gleich, wie er aussieht.