Macht nix?

Ich schreibe diesen Post, da es mich persönlich traurig und wütend macht, wenn ich erlebe, dass Menschen mit Macht und Einfluss andere Menschen respektlos behandeln. Egal, ob es sich um Mitarbeiter, Partner oder, ganz besonders, die “Klofrau” oder den Kellner handelt. Obwohl ich selbst nur begrenzt Macht und Einfluss habe, kann ich nachvollziehen, dass Erfolg und viel Bestätigung dazu führen können, sich für unfehlbar und etwas „Besseres“ zu halten. Ich weiß ehrlicherweise auch nicht, ob ich vor einer solchen Entwicklung gefeit wäre.

Jedenfalls erlebe ich, dass sich viele „Mächtige“ für etwas Besseres halten. Sie glauben zu wissen, was richtig und falsch ist (extra gefährlich) und werden süchtig nach Macht. Die Auswirkungen sind gravierend.

  • Ihre Unternehmen und/oder Abteilungen werden langsam und starr. Macht konzentriert sich und bei Entscheidungen entsteht das “Flaschenhals-Prinzip”.
  • Ihre Mitarbeiter sind demotiviert. Die guten Mitarbeiter kündigen schnell und es bleiben die, die es dem Chef recht machen und ihre Ruhe haben wollen.
  • Vetternwirtschaft macht sich breit.
  • Entscheidungen werden nicht ausreichend aus verschiedenen Perspektiven beraten. Und nachher nicht reflektiert.

So etwas ist in unser heutigen (Wirtschafts)Welt tödlich. Unternehmen brauchen schnelle und flexible Gestaltungs- und Entscheidungsprozesse. Und sie brauchen Mitarbeiter, die eigenständig und kreativ ihr gesamtes Potential einbringen. Das setzt voraus, dass sie keine Angst vor Sanktionen haben, wenn ihre Meinung von der des Vorgesetzten abweicht.

Bei mächtigen Menschen Verhaltensweisen zu ändern ist sehr, sehr schwer. Wie sollte es auch anders sein – sie halten sich ja oft für unfehlbar. Manchmal gelingt es externen Beratern und Coaches, wirksame Impulse zu setzen. Unternehmen können sich aber organisatorische Strukturen und Regeln zulegen, die Machtkonzentration vermeiden und Entscheidungsfindungen demokratisieren. Was ich damit genau meine, wird mal Inhalt für einen eigenen Post werden.

Aber es gehören ja immer zwei zu einem Ungleichgewicht der Macht: Einer, der Macht missbraucht und einer, der das zulässt. Also gilt mein wichtigster Appell allen Mitarbeiter/innen: Habt Respekt vor Chefs und Menschen mit Einfluss. Und bleibt gleichzeitig kritisch. Fordert Verantwortung ein, hinterfragt Entscheidungen, bietet Rückmeldung und Reflexion an. Und der wichtigste Punkt: Übernehmt selbst Verantwortung. Seth Godin nennt das so wunderbar „lead up“ – von unten führen.

Denn es gibt immer zwei Ebenen: Eine vertragliche und eine menschliche. Auf der vertraglichen Ebene tauscht ihr in den meisten Fällen Zeit, Loyalität und Know-how gegen Geld. Und in den vorhandenen Hierarchien ist völlig ok, wenn euch ein Vorgesetzter fachliche Anweisungen gibt – also Macht ausübt. Auf der zwischenmenschlichen Ebene habt ihr aber keinen Vertrag unterschrieben. Da ist keiner besser als der andere. Ein freundlicher und respektvoller Umgang ist also ein Grundrecht und steht so sogar im Paragraph 1 unseres Grundgesetzes.

So könnt ihr drei gute Dinge bewirken:

  1. Ihr wahrt eure Selbstachtung und Integrität – die wichtigste Grundlage für eure Entwicklung. Und sei es, dass ihr durchaus die Firma wechselt, bis ihr den für euch passenden Rahmen gefunden oder ein eigenes Unternehmen gegründet habt.
  2. Ihr tut eurem Unternehmen einen Gefallen. Denn jeder Unternehmer wünscht sich genau solche Mitarbeiter – auch wenn es sich ganz oft nicht so anfühlt.
  3. Ihr spart eurem Unternehmen die Kosten für Berater und Coaches. 😉

Daher hier mein Angebot an alle Mitarbeiter/innen, die sich angesprochen fühlen und in einer Sackgasse stecken: Ich schenke euch gerne eine Stunde Gespräch und “Mut machen” mit mir. Bucht dafür einfach über meinen Online-Kalender einen Skype-Termin. Das Angebot gilt auch für Chefs, die sich mit all ihrer Macht allein gelassen und überfordert fühlen.

Möge die Macht mit euch sein!